
Chinesische Kalligraphie
Die chinesische Kalligraphie ist eine besondere Ausprägung der Schriftkultur, die ganz Asien beeinflußt hat. Heute wird diese Kunst nur noch von wenigen Chinesen gelernt, früher war Kalligraphie in China so bedeutend, dass z.B. Teilnehmer an einer Beamtenprüfung alleine schon durchfallen konnten, wenn sie eine unschöne Schrift hatten. Kalligraphie gilt in China als Kunst. Auch in der chinesischen Malerei werden oft Kalligraphien verwendet. Die Zusammensetzung der chinesischen Schriftzeichen wird traditionell in sechs Hauptgruppen (liu shu) unterteilt: (1) xiangxing, direkt darstellende Bildsymbole (Piktogramme); (2) zhi shi, symbolische Darstellung von abstrakten Gedanken; (3) hui yi, eine Verbindung von Piktogrammen mit symbolischen Begriffszeichen von abstrakten Gedanken; (4) xingsheng, eine Verbindung von Phonogrammen und Piktogrammen; (5) jia jie, ein Zeichen, das nur zu phonetischen Zwecken für gleich- oder ehemals gleichlautende Worte benutzt wird; und (6) zhuanzhu, Zeichen, denen eine neue Bedeutung zukommt, und bei denen eine geänderte oder abgewandelte Schreibweise der ursprünglichen Bedeutung zugeordnet wurde.
Für die Kalligraphie werden Tusche, Tusche-Reibstein, Papier und ein Pinsel verwendet - auch die "Vier Kostbarkeiten" des Studienzimmers genannt.
Um chinesische Kalligraphie zu lernen bedarf es viel Geduld. Manchmal dauert es Monate, bis der Lehrer überhaupt mit dem ersten Pinselstrich eines Zeichens zufrieden ist. Der Laie kann gute Kalligraphie daran erkennen, wie die einfachsten Schriftzeichen geschrieben sind, die der Schüler ganz am Anfang lernen muss, z.B. an der Dicke der Linien am Anfang und Ende des Strichs, an den Proportionen der Schriftzeichen usw. Für die chinesische Kalligraphie ist es auch wichtig, die richtige Reihenfolge der Striche für ein chinesisches Zeichen zu beherrschen, weil man recht genau erkennen kann, in welcher Reihenfolge die Striche eines Schriftzeichens gesetzt wurden.